WILHELM AUGUST MEJO

(1729–1812)

 
 

Die Wiener Philharmoniker wurden 1842 gegründet, die Berliner gar erst 1882. Die Robert-Schumann-Philharmonie geht auf das Jahr 1833 zurück! Damals gründete der vom Stadtrat neu ernannte Musikdirektor Mejo ein städtisches Orchester, das er 28 Jahre lang leiten sollte. Chemnitz hatte gerade mal etwas mehr als 20.000 Einwohner! Industrie und Wirtschaft blühten schon. Jetzt wollten die Bürger auch blühende Kultur, nicht nur drei welke Stadtpfeifer.

Mejo war Unternehmer. Er spielte mit seinem anfänglich 18-Mann-Orchester, wo er dafür bezahlt wurde, auch zum Tanz. Und zu den beliebten Frühkonzerten, morgens um 5 Uhr! Erst im Saal der „Sonne“, ab 1838 im neuen Aktientheater am Klostergraben diente das Orchester fremden Theatergesellschaften, die das Haus von der Stadt mieteten. Die brachten für Opern eigene Dirigenten mit. Dann reihte sich Mejo unter die ersten Geigen ein (er spielte auch Bratsche und Klarinette) und schrubbte unzählige Opern mit: Webers „Freischütz“ etwa, oder Mozarts „Don Giovanni“. Aber auch Meyerbeer („Hugenotten“, „Robert der Teufel“), der später in der Versenkung verschwand und erst 2013 mit der international gelobten Chemnitzer Aufführung von „Vasco de Gama“ für die Stadt wiederentdeckt wurde.
Mejo gehörte musikalisch zu den Top-Leuten der damaligen deutschen Dirigentenszene. Er holte herausragende Solisten, darunter Clara Wieck, die spätere Frau Robert Schumanns. Er spielte die Zeitgenossen Weber, Mendelssohn und – klar doch – Schumann. Die Chemnitzer waren aufgeschlossen, wollten immer Neues hören. Heute haben es zeitgenössische Komponisten schwerer. Desto verdienstvoller, dass die Oper Chemnitz etwa Torsten Raschs „Malfi“ erstaufführte (2013).
Mejo war begabter Musiker, Komponist und Lehrer. Otto Dessoff wurde mit 19 Kapellmeister bei Mejo und lernte von ihm das Handwerk. So gut, dass ihm Johannes Brahms 1876 die Uraufführung seiner 1. Sinfonie anvertraute, die, nicht zuletzt dank Dessoff, ein Riesenerfolg wurde.
1983 – zu seinem 150. Geburtstag – wurde das Städtische Orchester auf Initiative von Gerhard Worm in Robert-Schumann-Philharmonie umbenannt. „Unsere Stadtmusik steht nicht allein der Stadtmusik aller ähnlichen Städte … weit voran, sondern kann sich auch … kühn und getrost mit der Musik größerer Städte messen“. So beschrieb Stadtrat Rudolph Stadler Ende 1855 die Ära Mejo. Nach wie vor ist die Robert-Schumann-Philharmonie eines der besten deutschen Orchester.
Hoffentlich noch lange.