Großes Interesse an den „neuen“ Großen
Rotary-Präsident Dr. Wolfgang Ahlemeyer übergab sechs neue "Denk-mal!"-Platten an die Chemnitzer Bevölkerung
Schade, dass der "Rote Turm" nicht öfter offen ist. Das war die einhellige Meinung der vielen Besucher, die am Übergabewochenende im September die Ausstellung zu den "Großen Chemnitzern" angeschaut haben. Der Rotary Club Chemnitz hatte den Turm für zwei Tage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Endlich erfüllt der 'Rote Turm' wieder einen Zweck", sagte ein Hutholzer, "und dann noch so einen passenden". Aufmerksam geworden war er durch einen Bericht im mdr-Sachsenspiegel. mdr-Reporter hatten während der Übergabe der neuen Platten gefilmt.
Pünktlich zu den Tagen der Industriekultur hatten die Rotarier vom RC Chemnitz die gusseisernen Platten in den Platz vor dem "Roten Turm" eingebracht und die Ausstellung im Turm ergänzt. Rotary-Präsident Dr. Wolfgang Ahlemeyer freute sich riesig, wieviele Chemnitzer gekommen waren, darunter Bürgermeisterin Petra Wesseler und die Präsidenten der beiden anderen Chemnitzer Rotary-Clubs. Und er vermerkt stolz, wie sehr das Projekt mittlerweile angenommen ist. Hier Auszüge aus seiner Rede bei der Übergabe:
"Vor 10 Monaten, am 9. November 2012, haben wir hier an gleicher Stelle das Projekt ‚Große Chemnitzer‘ unseres Rotary Clubs Chemnitz vorgestellt, die ersten zehn „Denk-mal!“-Platten hier in das Pflaster des Wallwegs eingelassenen und die begleitende Dauerausstellung im Roten Turm eröffnet.
Inzwischen heißt s wahrscheinlich, Eulen nach Athen zu tragen, wenn ich die Idee hinter dem Projekt noch einmal erläutere. Ich tue es trotzdem...
Es sind Menschen, die Chemnitz bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Städte Deutschlands gemacht haben. Vom Zeitalter der industriellen Revolution an spielte die Stadt im Konzert der Großen mit. Mutigen Köpfen verdankt Chemnitz den Aufstieg. Die zeig(t)en ihr bürgerliches Selbstbewusstsein voller Stolz - mit riesigen Fabriken, mit repräsentativen öffentlichen und privaten Bauten, mit Investitionen in Kunst und Kultur. Mit den „Denk-mal!“-Platten will der Rotary Club Chemnitz die Erinnerung an diese Chemnitzer Persönlichkeiten wecken und wach halten.
Wir haben versprochen, dass dieses Projekt keine Eintagsfliege wird, und dass wir in jedem Jahr zwei weitere ‚Große Chemnitzer‘ hinzufügen wollen. Das tun wir heute, und sogar nicht nur zwei, sondern sogar sechs! Diese Einweihung ist nicht der geeignete Anlass, um auf alle Geehrten im Detail einzugehen. Dazu haben wir die begleitende Ausstellung hier im Roten Turm - die heute und morgen geöffnet ist -, und eine neue Broschüre, in der sich alle (bisher) 16 ‚Großen Chemnitzer‘ wiederfinden. Und im Internet kann man auch alles nachlesen.
Aber kurz aufzählen darf ich die Neuen schon:
Johann Ritter von Zimmermann, 1820 – 1901, den Gründer der ersten Werkzeugmaschinenfabrik in Chemnitz,
Adolf Ferdinand Weinhold, 1841 – 1917, den Physiker, Erfinder der Thermoskanne und Namensgeber des Weinhold-Baus der TU Chemnitz,
Richard Möbius, 1859 – 1945, Architekt und Stadtbaurat, dem wir den Bau des Ensembles Kunstsammlungen / Oper, das neue Rathaus und viele Schulen verdanken,
Martha Schrag, 1870 – 1957, Malerin, Grafikerin und Mitbegründerin der „Künstlergruppe Chemnitz“,
Wilhelm August Mejo, 1791 – 1886, den Gründer der (späteren) Robert-Schumann-Philharmonie,
Johann Samuel Schwalbe, 1778 – 1845, den Wegbereiter des Chemnitzer Maschinenbaus.
Zu den beiden Letztgenannten - Wilhelm August Mejo und Johann Samuel Schwalbe - noch ein paar Anmerkungen, die zeigen, dass unsere Idee inzwischen über unseren Club hinaus zu wirken beginnt - so, wie wir es uns immer gewünscht haben:
Nachdem bekannt wurde, dass wir Wilhelm August Mejo in den Kreis der ‚Großen Chemnitzer‘ aufnehmen, erhielten wir eine Mail von einer Musikerin der Robert-Schumann-Philharmonie, Ulla Walenta. Sie berichtete, dass ihr neu formiertes Streichquartett sich ‚Mejo-Quartett‘ nennen wolle und hoch erfreut sei, dass dieser herausragende Musiker und Dirigent zeitgleich auch von uns geehrt werde. Da eine Büste von Mejo im Foyer der Oper steht, die Kammermusikabende regelmäßig dort stattfinden, und auch der Erbauer der Oper, Richard Möbius, heute von uns geehrt wird, schließt sich hier ein sehr schöner Kreis. Leider stecken die Musiker zur Stunde in einer Probe, sonst würden sie heute hier auftreten.
Und zu Johann Samuel Schwalbe: Er gründete 1811 zusammen mit seinem Sohn das Unternehmen, aus dem nach einigen Irrwegen in jüngerer Zeit und einem Management-Buyout heute wieder ein Familienunternehmen geworden ist, die Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH. Wir freuen uns sehr, dass der Inhaber der CAC, Herr Joachim Engelmann, das Sponsoring der „Denk-mal!“-Platte von Johann Samuel Schwalbe übernommen hat und heute bei uns ist. Dafür gilt Ihnen, Herr Engelmann, unser herzlicher Dank!
Ein ebenso herzlicher Dank gilt dem Förderverein des Industriemuseums Chemnitz, der sich ebenfalls mit einer Spende an der Finanzierung der sechs neuen „Denk-mal!“-Platten beteiligt hat.
Hieran wird deutlich, was von Anfang an eines unserer Anliegen war: Der Rotary Club Chemnitz ist zwar Ideengeber, Initiator und der Treiber des Projekts, aber er macht das nicht zum Selbstzweck oder zur Eigenwerbung, sondern versteht sein Tun als bürgerliches Engagement für die Stadt. Und deshalb weihen wir heute nicht nur die sechs neuen „Denk-mal!“-Platten ein, sondern wir übergeben sie auch symbolisch an die Bürgerinnen und Bürger von Chemnitz.
Wolfgang Ahlemeyer dankte dann den "Machern":
An erster Stelle ist hier der ‚Spiritus Rector‘ des Projekts zu nennen, Karl-Otto Grahl, der die Idee aus Los Angeles mitbrachte, wo er über den ‚walk of fame‘ geschlendert war. Er trug die Idee in den Club hinein, fand schnell Zustimmung und suchte sich ein paar Mitstreiter für die Umsetzung, die immerhin drei Jahre dauerte. Johannes Schulze war von Anfang an in vorderster Front dabei und zeichnet verantwortlich für alle Texte , Michael Utecht übernahm die juristische Ausarbeitung der Vertragstexte. Und wenn es um’s Geld ging, stand Klaus Staschik immer ‚Gewehr bei Fuß‘.
Selbstverständlich kann solch ein Projekt im öffentlichen Raum nur in Zusammenarbeit und mit Zustimmung der Stadt entstehen. Jetzt wird das so langsam zur Routine, aber bis die ersten Platten verlegt werden konnten, waren doch einige Hürden zu überwinden. Für die Unterstützung danken wir sehr herzlich unserer Oberbürgermeisterin und all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den zuständigen Ämtern.
Die Platten, die Sie hier sehen, erforderten aber auch ein gestalterisches Konzept. Obwohl nicht Mitglied unseres Clubs, stand und steht uns Professor Clauss Dietel in freundschaftlicher Verbundenheit jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.
Die Liste der Mitstreiter ist lang. Für den Guss der Platten zeichnet die Firma Behr in Berlin verantwortlich, die Firma BASEG, vorndran Wolfram Junge, gestaltete die Ausstellung im Roten Turm, die begleitende Broschüre und die Website. Und all das wäre wirkungslos geblieben, wenn nicht unser Clubmitglied Gunter Hüttner mit seinen Mannen die Platten hier in den Boden um den Roten Turm gebracht hätte - wie immer termingerecht, perfekt und geräuschlos.
Und schließlich möchte ich die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft als ‚Hausherrin‘ des Roten Turms nicht vergessen. Sie hat vor drei Jahren den Roten Turm für die Dauerausstellung zu den ‚Großen Chemnitzern‘ zur Verfügung gestellt und in diesem Jahr die Einweihung der neuen „Denk-mal!“-Platten in ihr Programm zu den Tagen der Industriekultur aufgenommen. So fügt sich die Übergabe heute in diesen Rahmen thematisch wunderbar passend ein. Dank gilt der CWE auch dafür, dass sie die ‚Großen Chemnitzer und die Ausstellung in ihre Stadtführungen einbindet und so dem Roten Turm, der ja als ein Wahrzeichen der Stadt lange Zeit ungenutzt war, neues Leben einhaucht. Und wenn man an so einem Tag auch einen Wunsch äußern darf, dann wäre es der, auch den anderen Stadtführern außerhalb der CWE den Zugang zum Roten Turm zu ermöglichen, wenn sie ihre Gäste auf ihren Führungen mit den ‚Großen Chemnitzern‘ bekannt machen...
So wird's kommen. Und vielleicht ist der "Rote Turm" noch öfter offen - als Zeigefinger des Stolzes der Chemnitzer auf ihre "Großen" aus mehr als einem halben Jahrtausend. Der "Rote Turm" hat sie alle gesehen...